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Wenn von Kampf im sportlichen Karate die Rede ist, geht man von gegenseitigem Respekt und dem Willen der Beteiligten aus, den Partner nicht zu verletzen. In Situationen, in denen man unfair angegriffen wird, kommt die Selbstverteidigung (SV) ins Spiel. Darum ging es in einer viertägigen Ausbildung des DKV zum SV-Lehrer, Stufe 1, in der Sportschule in Hennef. Mancher der 51 Teilnehmenden am Ende der viertägigen Ausbildung nahm neben viel neu Erlerntem auch ein paar blaue Flecken an den Unterarmen mit nach Hause; beim Abschluss des Seminars ließ aber niemand einen Zweifel daran, dass das verlängerte Wochenende eine Bereicherung für sein Karate sein wird. Von den 51 Teilnehmenden waren rund 20 % Frauen!
Trainiert wurde in der Judohalle. T-Shirt und Sporthose waren wegen der Temperaturen in der ersten Hitzewelle des Sommers sicher die bessere Wahl als der traditionelle Gi. Selbstverteidigung ist anstrengend: Der Schweiß floss in Strömen, trotz leichter Klimatisierung der Judohalle. Trainiert wurden Aufmerksamkeit, Gefühl für Situationen, die Haltung des Körpers sowie der Psyche und natürlich wirksame und erprobte SV-Techniken und Fitness. Vier Referenten des DKV vermittelten die Inhalte: Die SV-Ausbilderinnen und -Ausbilder Jürgen Kestner, Nicole Klaaßen und Sven Burkard kümmerten sich um den Praxisteil. Die Theorie – z.B. die rechtliche Einordnung der Selbstverteidigung - übernahm der Kölner Jurist Willm Wöllgens, der als Referent für Selbstverteidigung und Gewaltprävention beim DKV den Lehrgang leitete. Jürgen kommt ursprünglich vom Goju Ryu Karate und hat beruflich auch SEK-Polizisten ausgebildet. Die Erfahrungen in realen Selbstverteidigungssituationen, die Jürgen im Laufe seines Berufslebens bei der Polizei gesammelt hat, machen ihn zu einem besonders wertvollen Referenten, der dadurch auch viele Inhalte aus dem echten Leben vermitteln konnte. Nicht ohne Grund wurde allen Teilnehmenden bei der Anmeldung zur Ausbildung die Vorlage eines Führungszeugnisses abverlangt.
Nicole Klaaßen bringt die weibliche Perspektive ins Training ein und kann so aus ihrer Sicht immer wieder ergänzende und wichtige Hinweise und Übungen einbringen.
Beeindruckend sind die Bodentechniken und die Verhaltens-Übungen von Sven Burkard, die im Karate selten oder nie geübt werden. Dabei stand nicht so sehr das Einschleifen einzelner Techniken im Mittelpunkt, sondern auch Wege, wie die Inhalte im Training gut zu vermitteln sind. Viele der Teilnehmenden sind Trainer; einige sagten, sie hätten erkannt, dass dem Training im eigenen Dojo etwas mehr realistische SV-Übung guttun würde und dass es auch zunehmend gewünscht werde. Nicht wenige, die von sich sagen, sie betrieben traditionelles Karate, lehnen Selbstverteidigung im eigenen Dojo ab. Beim Lehrgang in Hennef kam dazu ein bedenkenswertes Argument auf: Stand nicht beim Entstehen der Kampfkünste, also auch der Vorstufen des heutigen Karate, Selbstverteidigung im Vordergrund?
Ralf Krieger
Dojo Yamabiko Karate Leverkusen
